Interview mit Karlheinz Hehle, Hotel Schönblick in Eichenberg

Karlheinz Hehle – Hotelier mit Leib und Seele vom Hotel Schönblick in Eichenberg bei Bregenz – ist einer der Gründerväter von Gastgeben auf Vorarlberger Art. Vorarlberg Tourismus hat mit ihm über die Anfänge, Herausforderungen und seine Ziele des Projekts gesprochen.

Vorarlberg Tourismus: Das Netzwerk „Gastgeben auf Vorarlberger Art“ hat sich in den letzten Monaten zu einem anerkannten Unternehmerprogramm etabliert. Die formalen Rahmenbedingungen sind auf Schiene, es sind bereits einige offizielle Veranstaltungen über die Bühne gegangen, und es kommen nun laufend neue Mitglieder dazu. Du warst einer derjenigen, die die Initiative ins Leben gerufen haben. Welche Idee stand damals im Zentrum, was hat euch dazu bewogen?

Karlheinz Hehle: Nach der Präsentation der Tourismusstrategie 2020 im Jahr 2012 stellte sich für eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen die Frage, wie die Strategie auf betrieblicher Ebene umgesetzt werden konnte. Wir wollten Wege finden, wie wir das Grundanliegen der Strategie, in den Werten Regionalität, Gastfreundschaft, Nachhaltigkeit und Vernetzung eine europäische Vorreiterrolle zu spielen, in die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe bringen konnten. Die treibenden Personen waren hier Hans-Peter Metzler, Elmar Herburger, Harald Furtner, Willi Sieber, Markus Kaufmann, Brigit Sauter, Wolfgang Juri, Simone Kochhafen und ich. Wir arbeiteten teilweise schon seit unserer Zeit im „Jungen Gastgewerbe“ zusammen, andere brachten Erfolgsbeispiele ein, wie die Green Meeting Region Vorarlberg, an der Birgit Sauter dran war.

Monika und Karlheinz Hehle vom Hotel Schönblick sind GVA-Mitglieder der ersten Stunde.

VT: Von welchem Bild seid ihr damals ausgegangen? Hattet ihr ein bestimmtes Modell im Kopf, wie diese Umsetzung funktionieren sollte – quasi ein Vorbild, an dem man sich strukturell orientieren konnte?

KH: Es gab das Vorbild des e5-Landesprogramms für energieeffiziente Gemeinden, das seit 1998 in Salzburg, Tirol und Vorarlberg angeboten wird, ursprünglich aber vom Energieinstitut Vorarlberg entwickelt wurde. Wir sahen in diesem Modell viele Vorteile. Besonders eine rasche Verbreitung der Tourismusstrategie, eine gewisse Qualitätssicherung sowie praxistaugliche Werkzeuge schienen uns erstrebenswert. Wir nannten das System T5. Wir wollten damit die Stärken der einzelnen Betriebe fördern.

VT: Hattet ihr dieses T5-System schon konkretisiert?

KH: Ziemlich! Im Jahr 2013 hatten wir fünf Module dazu ausgearbeitet, zumindest grob. Das T5-System sah erstens ein Basisprogramm vor, in dem Betriebe verschiedener Größen Workshops zu vier wesentlichen Themen angeboten bekamen: Tourismusstrategie 2020, die acht Bereiche von T5, die Werkzeuge und deren Nutzung. Das zweite Modul war die Zertifizierung. Hier hatten wir eine Selbsteinschätzung, eine Berater-Bewertung sowie Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Zertifizierungssystemen, wie Umweltzeichen, Ökoprofit, Green Globe oder klima:aktiv im Auge. Absolute No-go’s waren bereits genannt: Bezahlung unter dem Kollektivvertrag oder Verwendung von Billigst-Lebensmittel. Die anderen drei Module bestanden aus dem Werkzeugkasten, dem Netzwerk und der Koordination. Auch dazu gab es bereits konkrete Vorschläge.

VT: Wie sah eure Vorgehensweise aus, wie seid ihr auf diesen Vorschlag gekommen?

KH: Zum einen gab es verschiedene Gruppen, die sich jeweils um ein Thema, wie etwa Regionalität, Mitarbeiter, Nachhaltigkeit und so weiter kümmerten – ich übernahm beispielsweise das Thema „Regionalität“. Diese Kleingruppen erarbeiteten Vorschläge, wie diese Themen mit Leben gefüllt werden konnten. Zum anderen gab es eine einjährige Pilotphase mit zwölf Tourismus- beziehungsweise Gesundheitsbetrieben aus allen sechs Destinationen.

VT: Was war dein persönlicher Bezug, warum hast du gerade dieses Thema ausgewählt?

KH: Als Mitglied der Spartenkonferenz bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg habe ich mich schon lange Zeit vorher stark mit dem Thema beschäftigt. Und als Hotelier habe ich vor zirka zwanzig Jahren begonnen, mit Bauern aus der Umgebung zusammenzuarbeiten. Wir waren damals einer der ersten Betriebe, die das gemacht haben. Diese Erfahrungen wollte ich einbringen.

VT: Wie lange dauerte der Prozess, in dem ihr das T5-System erarbeitet habt und warum seid ihr von dieser Idee dann wieder abgekommen?

KH: Von der Präsentation der Tourismusstrategie im Jahr 2012 weg bis gegen Ende 2013 würde ich sagen. Wir redeten damals noch viel über Zertifizierung und Kriterien, die man für T5 erreichen sollte. Natürlich hat es Diskussionen gegeben, wie scharf diese Kriterien sein sollten. Im Laufe der Zeit stellte sich allerdings heraus, dass die Idee der Zertifizierung und des Kriterienkataloges recht technisch wirkte. So mancher Unternehmer hätte sich am Ende noch gedacht: ‚Schon wieder Vorschriften!‘ Und das wollten wir eigentlich nicht, es sollte doch eine Ermutigung sein, beim Netzwerk mitzumachen, keine Abschreckung. Deshalb lösten wir uns wieder von der T5-Idee und brachen das Ganze auf die drei Werte „Regionalität, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft“ herunter. Damit kam es dann auch zum neuen Namen „Gastgeben auf Vorarlberger Art“.

Karlheinz Hehle vom Hotel Schönblick mit Mentorin Katrin Löning (Ökologie Institut Vorarlberg) beim Symposium von Gastgeben auf Vorarlberger Art im September 2016.

VT: Mit dem neuen Namen kam ja auch die Idee mit den Mentoren auf. Eine interdisziplinär besetzte Gruppe von erfahrenen Gästen, stellte sich für die Weiterentwicklung des Projektes zur Verfügung. Was waren die Vorteile in diesem neuen Modell?

KH: Durch die Mentoren konnten wir die Stärken jedes einzelnen Betriebes noch besser fokussieren. Die individuelle Beratung vergrößerte den Gestaltungsspielraum. Außerdem gewannen wir durch die Mentoren wichtige Multiplikatoren für das Projekt.

VT: In der aktuellen offiziellen Form von GVA hast du ja auch als Pilotbetrieb mitgemacht. Wie ist es dir dabei ergangen?

KH: Ich habe die Begleitung der beiden Mentoren als sehr angenehm und bereichernd empfunden. Die Gespräche waren wirklich wohltuend für mich als Unternehmer und Hotelier. Viele unserer Stärken wurden benannt und gesehen. Andere Dinge, die man verbessern könnte, wurden sehr konstruktiv besprochen. Wenn man das mit den gängigen Methoden von diversen Klassifizierungen und Zertifizierungen, die man als Hotelier so kennt, vergleicht, ist das wirklich ein absolutes Novum. Der persönliche Bezug zu den Mentoren ist hier etwas Besonderes.

VT: Hast du nach diesen Gesprächen mit den Mentoren ein bestimmtes Projekt in Angriff genommen?

KH: Ja, Ergebnis war das neu konzipierte Restaurant „Mehdafu“ in unserem Haus, wo wir eine spezielle Speisekarte mit regionalen Produkten und kreativen Gerichten anbieten.

VT: Wie siehst du die Zukunft von GVA?

KH: Zunächst freut es mich, dass so viele unserer damaligen Ideen nun tatsächlich umgesetzt werden, wie etwa der Naturvermittlungsworkshop. Schön wäre, wenn sich das Netzwerk weiter ausdehnen würde. Wenn wir in den nächsten zwei Jahren 100 bis 120 Mitglieder hätten, wäre das ein großer Erfolg. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass wir mit diesem Programm noch viele wichtige Impulse für unser Land setzen werden.

VT: Vielen Dank für das Gespräch!